ÖSTERREICH:
von Alfred Stohl, Historiker, Österreicher



„FUßBALLER MÜSSEN SICH PLAGEN.“

(Helmut Senekowitsch, Teamchef bei der WM 1978)


Der Österreich hat Angst, sich zu blamieren. Schon „Kaiser“ hat vor etlichen Jahren geweissagt, dass es für den österreichischen Fußball vorbei wäre.

„Die Fußball-EM in Österreich ist wie Skispringen in Namibia.“

(Alfred Dorfer, Kabarettist, Schauspieler, Österreicher)

Dennoch: Es gibt Wunder! Und so hoffen alle, dass die Spieler von einer Welle der Begeisterung mitgerissen werden und mindestens ins Semifinale stürmen.

„Wir sind sehr krank.“

(Andreas Ogris, Stürmerlegende, Austria Wien)

Dabei ist Österreich nicht schlecht, von alters her. Es war schließlich Österreich, das am 16. Mai 1931 Schottland die erste Niederlage auf dem Festland zufügte. Beim Ur-Länderspiel 1901 in Wien spielte viele Österreicher mit Perücken und falschen Bärten. Die Spieler waren zu jung: Schülern, Gymnasiasten, galt es bis zur Matura (Abitur) als grob sittenwidrig, in Vereinen tätig zu werden, was auch für Sportvereine zutraf. Das erste offizielle Länderspiel war die geradezu klassische Begegnung zwischen Österreich und Ungarn 1902.

„Heute spielt Österreich-Ungarn! --- Gegen wen?“

In den 30er Jahren hatte Österreich das sogenannte „Wunderteam“ und hätte eigentlch 1934 Weltmeister werden müssen. Doch der schwedische Schiedsrichter - tags zuvor noch von Mussolini eingeladen - stoppte Österreich im Halbfinale gegen Italien. Der „Unparteiische“ persönlich köpfte eine Flanke vor dem freien österreichischen Stürmer weg. In der 18. Minute stießen einige Italiener den österreichischen Torwart, der den Ball festhielt, über die Torlinie. Der „Treffer“ zählte.


„Die Statistik zeigt, dass, wenn Österreich kein Tor geschossen hat, es in den letzten Spielen entweder unentschieden gespielt oder verloren hat.“

(Heinz Prüller, ORF-Kultkommentator)

Den jüngsten Meilenstein alpenländischen Fußballruhmes markiert das Spiel in Cordoba 1978 gegen Deutschland, bis heute ein österreichischer Mythos - ein Wunder, das sich tief ins Bewusstsein der Österreicher eingebrannt hat.

„Wenn ich einen Deutschen seh’, wird’ ich zum Rasenmäher.“

(Hans Krankl, Goleador, Deutschland-Besieger 1978)

Das historische Fußballereignis hat für Österreich identitätstiftende Qualität.

„1866: Preußen schlägt unter Moltke Österreich bei Königgrätz.

Jetzt haben Krankl & Co die Scharten ausgewetzt.“.

(Frankfurter Allgemeine Zeitung, anno 1978)

„Die beste Lehre, die wir aus dem Fußball ziehen können, ist die Befähigung zum Umgang mit Niederlagen,“ schreibt der Literaturprofessor Wendelin Schmidt-Dengler. Größe in der Niederlage. Vielleicht ist es das, was die Welt von Österreich lernen kann.

„Hoch werden wir nicht mehr gewinnen.“

(Toni Pfeffer, Libero, bei Halbzeitstand von 0:9 gegen Spanien)

Und das Land selbst? Vielleicht sollte man sich in Österreich an das goldene Wort des Spielers Polster halten:

„Für mich gibt es nur ‚entweder-oder‘. Also entweder voll oder ganz.“

(Toni Polster, Stürmerstar)

Oder: Allein von einer ruhmreichen Vergangenheit, vom Mythos, kann man auch nicht leben:

„ICH WILL KEIN DENKMAL SEIN, DARAUF SCHEIßEN NUR DIE TAUBEN.“

(Toni Polster, Weisheitenhaber)

ISBN 978-3-7900-0377-2 - Preis: € 6,90 - Verlag: Parzeller, Fulda