"Kleine Phrasenkunde des deutschen Fußballes"



Ein Spiel dauert 90 Minuten.
(Sepp Herberger)

Ein Skatspieler hat bis 48 gereizt, der Tisch spricht von „der Oma“. Wer jetzt glaubt, das Gespräch drehe sich um die Großmutter des Spielers, der hat keine Chance auf einen vergnüglichen Abend. So ist das auch im Fußball. Hinter vordergründig banalen Phrasen verbergen sich hintergründige Weisheiten. Das folgende Kapitel hilft, solche Phrasen zu verstehen.


„Das nächste Spiel ist immer das schwerste.“
(Sepp Herberger)


Die Erkenntnisse des Josef Herberger sind Aphorismen: Kurze, in sich geschlossene Gedanken, die zum Kern der Dinge führen. Sepp Herberger schöpft dafür in den Quellen der Schrift, den Lehren der Geschichte und der Mythologie. Eine vergleichsweise unbekannte Weisheit des Meisters kumuliert diese Erkenntnisse, bezogen auf den Mikrokosmos eines Fußballspieles:


Die annere kenne ach kicke“
(Sepp Herberger)



Die Schmach von Cordoba

Tor, Tor, Tor, Tor, Tor, Tor. I werd narrisch! Krankl schießt ein
3 : 2 für Österreich!
(Eduard „Edi“ Finger, österreichischer Sportreporter, Live-Kommentar)

Österreich gewinnt gegen Deutschland und dreht danach völlig durch.

„Und jetzt ist Auuus! Ende! Schluss! Vorbei! Aus!
Deutschland geschlagen!“
(Eduard „Edi“ Finger, österreichischer Sportreporter, Live-Kommentar)



Die Schande von Gijon

Ein Stück Fußball-Porno, das in die Geschichte eingehen wird.
(De Volkskrant, niederländische Zeitung)

Deutschland gewinnt gegen Österreich. Beide betrügen damit aber Algerien. Die Welt spricht von Betrug. Beide Mannschaften hören bildlich gesprochen auf, Fußball zu spielen. Reporter hören wirklich auf, das Nicht-Spiel zu kommentieren. Die „Schieberei von Gijon“ bringt Deutschland und Österreich bei der WM 1982 in die nächste Runde und um ihren guten Ruf.

Es war ein Tag des Frevels.
(Steffen Haffner)



Der Geist von Malente

„Einige von ihnen sind jenseits von Gut und Böse.
Das Verhalten einiger Funktionäre ist einfach unmöglich.
(Franz Beckenbauer)

Die deutsche Mannschaft wird in einem kleinen Dorf in Norddeutschland kaserniert, leidet an Lagerkoller und wird dann Weltmeister, mit dem Geist von Malente, einem Enkel des Geistes von Spiez.

Elf Freunde müsst Ihr sein.
(Ursprünglich von Richard Girulatis, 1920)



Das Wunder von Bern

"Der 4. Juli 1954 ist in gewisser Hinsicht
das Gründungsdatum der Bundesrepublik."
(Joachim Fest, Historiker)

Deutschland verliert den Krieg, gewinnt im Fußball und ist wieder wer. Das stimmt nicht so ganz, liest sich aber schön und wird hier auch ganz doll erzählt.

„Man hatte das Gefühl, wieder in die Völkervereinigung aufgenommen zu werden.
Man hatte das Gefühl, dass man einem wieder Respekt entgegenbringt.“

(Gerhard Mayer-Vorfelder)


ISBN 978-3-7900-0377-2 - Preis: € 6,90 - Verlag: Parzeller, Fulda