Schweiz


„EUROPAS FUßBALLHERZ SCHLÄGT IN DER SCHWEIZ.“

(Ernst Huberty/ Willy Wange: Fußball)

Das Herz des Europäischen Fußballes schlägt in der Schweiz. Zum einen hat hier die UEFA ihren Sitz. Geleitet aus einer unscheinbaren Zentrale bewegen die Funktionäre von der Schweiz aus regelmäßig mehr Menschen als irgendetwas anderes in Europa.

„Mehr als Kirchentage, mehr als Sexfilme, mehr als politische Demonstrationen. Mehr als die Beatles und mehr als Udo Jürgens. Sie verwalten den europäischen Fußball.“

(Ernst Huberty/ Willy Wange: Fußball)

Und nicht nur die Verwaltung dieser Massenbewegung liegt in der Schweiz, sondern auch ihr kontinentaler Ursprung. Britische Studenten gründeten 1860 den „Lausanne Football and Cricket Club“. Daher die vielen englischen Namen in der Schweiz: Vereine heißen „Young Boys“ oder „Grashopper“, den Elfmeter nennt der Schweizer einen „Penalty“. Bei den Olympischen Spielen 1924 stand die Schweiz im Endspiel, musste sich hier zwar dem Team aus Uruguay geschlagen geben, konnte sich damit aber mit dem inoffiziellen Titel „Europameister“ schmücken.

1938 gewann die „Nati“ sensationell mit 4:2 gegen die Mannschaft des nationalsozialistischen „Groß-Deutschland“. David gegen Goliath, der Wilhelm-Tell-Mythos war wieder auferstanden.

„Die kleinen Schweizer haben gekämpft wie bei St. Jakob und haben einen Sieg errungen, von dem man noch lange sprechen wird.“

(Gazette de Lausanne, 1938)

Der Fußball war mit diesem Sieg Teil der „Geistigen Landesverteidigung“ geworden. Mit dieser politisch-kulturellen Bewegung versuchten Institutionen und intellektuelle Kreise, die kleine Schweiz vor den totalitären Ideologien der großen Reiche zu bewahren: Gegen Nationalsozialismus, gegen Faschismus, gegen Kommunismus. So half der Fußball auch, den „Rösti-Graben“ zu überdecken.

“Der tief im Bewusstsein verankerte Röstigraben, die traditionelle Kluft zwischen Spielern aus dem französisch- und deutschsprachigen Teil der Schweiz, drohte das Team zu spalten.“

(Patrick Krull, Welt-Online, 2004)

Heute gibt es auch in der Schweiz andere gesellschaftliche Gräben, die der Fußball überbrücken hilft. War es früher die Grenze zwischen vier Sprachgruppen, so wachsen in der globalisierten Schweiz junge Menschen aus aller Herren Länder heran.

„Als ich noch nicht in der Nationalmannschaft war, habe ich mich nicht wie ein Schweizer gefühlt. Eigentlich habe ich mich eher als Spanier gesehen.“

(Philippe Senderos, Sohn einer serbischen Mutter und eines spanischen Vaters, geboren in der französich-sprachigen Schweiz)

Zum aktuellen Sport: Bei der WM 2006 spielte die Schweiz bis ins Achtelfinale gegen die Ukraine „zu Null“. Erst im Elfmeter-Schießensetzte sich die Ukraine

durch. So sind die Schweizer die einzige Mannschaft der Welt, die bei einer WM zwar ohne Gegentor blieb, und dennoch vorzeitig die Heimreise antreten musste.

“Elfmeterschießen, das ist irgendwie wie mit Frauen und Autos – reine Glückssache.“

(Juri Sawitschew, Profi in der deutschen Bundesliga)

Zuletzt waren Berichte über Schweizer Spiele geprägt durch Begriffe wie „trist“, „ohne Höhepunkte“ oder gar „beängstigend.“ Solch ein Tief aber kann gerade für ein Turnier wie die Europameisterschaft eine echte Empfehlung sein.

„WENN MAN SCHLECHT SPIELT UND TROTZDEM GEWINNT, DANN KANN MAN SEHR WEIT KOMMEN. DAS SOLLTEN GERADE DIE DEUTSCHEN WISSEN.“

(Marco Streller, Spieler, nach dem Sieg gegen Togo bei der WM 2006)

ISBN 978-3-7900-0377-2 - Preis: € 6,90 - Verlag: Parzeller, Fulda